Beeinträchtigt die Migration von Hochqualifizierten die Progressivität der Steuersysteme?

Ein besseres Verständnis der Reaktion des Migrationsverhaltens auf Steueränderungen hilft bei der richtigen Gestaltung der Progression

University of Lyon, ENS de Lyon, and GATE, France

EHESS and AMSE, France

one-pager full article

Relevanz des Themas

Die gesunkenen Transportkosten haben auch die Verbreitung von Vorstellungen und Werten über nationale Grenzen hinweg begünstigt und bestehende Hindernisse für die weltweite Arbeitsmobilität reduziert. Hochqualifizierte reagieren auf hohe Einkommensteuern tendenziell eher als geringer Qualifizierte mit Auswanderung. Deshalb sind Analysen zum Umfang des steuerbedingten Migrationsgeschehens und zu den möglichen Wanderungseffekten eines zwischenstaatlichen Steuerwettbewerbs von hoher Relevanz. Wie wirkt sich die potenzielle Beeinträchtigung durch Migration auf die optimale Einkommensteuerpolitik eines Landes aus?

Optimale Besteuerung für drei                        Migrationsszenarien (USA)

Wichtige Resultate

Pro

Ein hohes Steuerniveau veranlasst vor allem hochbezahlte bzw. -qualifizierte Arbeitskräfte zur Abwanderung.

Der zunehmende Steuerwettbewerb um Hochqualifizierte kann den aus der historischen Entwicklung der Wohlfahrtsstaaten abgeleiteten Gesellschaftsvertrag beschädigen.

Die Gestaltung eines optimalen Einkommensteuertarifs setzt Klarheit über die potenzielle Wirkung der Besteuerung auf die Wanderungsbereitschaft voraus.

Wenn Reiche sensibler als andere Einkommensgruppen auf Steueränderungen reagieren, ist die Steuerprogression möglicherweise nicht optimal gestaltet.

Contra

Auch die besten derzeit vorliegenden Schätzungen zu Migrationsreaktionen von Steuerzahlern berücksichtigen nicht alle Parameter.

Innerhalb einer Bevölkerung machen steuermotivierte Migranten nur einen Bruchteil aus; solide Schätzungen erfordern umfassende Datensätze.

Der Zusammenhang zwischen Steuerwettbewerb und zunehmenden Ungleichheiten ist noch nicht eindeutig geklärt.

Kernbotschaft des Autors

In welchem Ausmaß Hochqualifizierte auf steuerpolitische Korrekturen mit Ein- oder Auswanderung reagieren, wird üblicherweise anhand so genannter Migrationselastizitäten im Zusammenhang mit Nettoeinkommensveränderungen analysiert. Dieses Verfahren beruht jedoch auf einem falschen Maß der Elastizität – die empirische Forschung benötigt an dieser Stelle dringend eine neue Richtung. Von politischer Seite sollte einzelstaatliches Steuer-„Tagging“, das hochqualifizierte ausländische Arbeitskräfte gezielt anlocken soll, vermieden werden und stattdessen die internationale Zusammenarbeit und Harmonisierung auf dem Gebiet der Unternehmens- und Einkommensbesteuerung intensiviert werden.

Full citation

Full citation

Data source(s)

Data type(s)

Method(s)

Countries