Zahlt sich Schönheit aus?

Körperlich attraktive Menschen verdienen vor allem in kundenorientierten Jobs mehr – das gilt in höherem Maße für Männer

LISER, Luxembourg, and DIW Berlin and IZA, Germany

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Relevanz des Themas

Unter Ökonomen gilt es seit langem als belegt, dass gutaussehende Menschen bessere Job- und Verdienstaussichten haben als körperlich weniger attraktive Arbeitnehmer. Eine solche „Schönheitsprämie“ ergibt sich insbesondere für Tätigkeiten, in denen gutes Aussehen mit höherer Produktivität assoziiert wird – wobei diese Vorteile im Geschlechter- und Ländervergleich stark variieren. Schon bei der Berufswahl spielen körperliche Merkmale eine Rolle: Als attraktiv geltende Menschen übernehmen häufiger Jobs, für die das Aussehen als wichtig erachtet wird, während weniger attraktive Menschen andere Karrierewege einschlagen und für den gleichen Lohn produktiver sein müssen.

Anteil der Arbeitnehmer nach Berufsgruppe, die in Deutschland als gutaussehend gelten

Wichtige Resultate

Pro

Körperlich unattraktive Arbeitnehmer müssen mit Arbeitgeberdiskriminierung rechnen.

In Berufen, in denen das Aussehen eine Rolle spielt, lässt sich eine Schönheitsprämie erzielen.

Attraktive Menschen übernehmen bevorzugt Jobs, in denen sich Schönheit potenziell auszahlt, während weniger attraktive Menschen diese Jobs meiden.

Da der Einfluss des Aussehens auf die Berufswahl zwischen den Geschlechtern variiert, ist der „Schönheitseffekt“ bei Männern ausgeprägter.

Contra

Schönheit ist nicht einheitlich standardisiert und schwer messbar.

Schönheit ist nicht unabänderlich, sondern lässt sich etwa durch Kosmetika oder plastische Chirurgie beeinflussen, aber auch durch Selbstbewusstsein und Charakter.

Schönheitseffekte lassen sich nur schwer von weniger offensichtlichen Merkmalen isoliert betrachten.

Kundendiskriminierung lässt sich nicht ohne weiteres von realen Produktivitätsunterschieden entkoppeln.

Ländervergleiche sind schwierig, wenn sich die Schönheitsideale unterscheiden.

Kernbotschaft des Autors

Beschwerden über Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund von Äußerlichkeiten nehmen zu. Einige Länder haben daher bereits entsprechende Antidiskriminierungsgesetze erlassen. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass sich Schönheit auf unterschiedlichste Weise auf den Arbeitsmarkterfolg auswirkt. Neben Diskriminierung durch Arbeitgeber oder Kunden spielen auch Produktivitätsunterschiede und die Präferenz für bestimmte Berufe eine Rolle. Die Gesellschaft sollte die Bedeutung von körperlicher Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt anerkennen und nur dann juristisch intervenieren, wenn eine Schönheitsprämie nachweislich auf Diskriminierung und nicht auf Produktivitätsunterschiede zurückzuführen ist.

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