Kann Bildung die „Life Skills“ von Jugendlichen stärken?

Sekundär- und Hochschulausbildung sind Fenster der Möglichkeiten zum Ausbau von Lebenskompetenzen

University of Sydney, Australia, and IZA, Germany

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Relevanz des Themas

Nicht-kognitive Fähigkeiten wie Verantwortungsbewusstsein oder Kontrollüberzeugung spielen eine große Rolle im Hinblick auf Arbeitsmarkterfolg und Produktivität. Ist es deshalb sinnvoll, den Aufbau solcher „Life Skills“ in Schule und Hochschule zu fördern? Neuere Studien liefern erste Hinweise darauf, dass entsprechende Lehrinhalte die Persönlichkeitsmerkmale von Jugendlichen stärken können. Allerdings existiert bislang kein allgemein gültiger Ansatz zur Gewichtung und Messung solcher Befähigungen. Es sind noch viele Fragen zu beantworten, bevor die Vermittlung von Lebenskompetenzen fester Bestandteil von Lehrplänen werden kann.

Ein zusätzliches Bildungsjahr ist mit
                        einer Zunahme diverser Life Skills verbunden

Wichtige Resultate

Pro

Die Zeit des Erwachsenwerdens bietet viele Möglichkeiten, Lebenskompetenzen zu vermitteln.

Studien zeigen, dass nicht-kognitive Fähigkeiten in diesem Lebensabschnitt durch Bildung oder Bildungsinterventionen verstärkt werden können.

Konsistente Hinweise deuten auf eine positive Auswirkung von Bildung auf Extraversion und Verhaltensmuster hin.

Schätzungen ermitteln eine nur begrenze Wirkung von Bildungsinitiativen auf die Lebenskompetenz, die aber doch mit dem Effekt von frühkindlicher Bildung vergleichbar ist.

Kognitive Verhaltensübungen scheinen ein sinnvolles Werkzeug für die Entwicklung von Lebenskompetenzen zu sein.

Contra

Die unterschiedlichen Konzepte zur Erfassung des Kompetenzenerwerbs durch Bildung lassen allgemeine Schlussfolgerungen nicht zu.

Studien, die spezifische Life-Skills-Interventionen bewerten, beruhen oft auf ungültigen Verhaltens-Proxies und sind daher weniger zuverlässig.

Einige Studien ermitteln sogar negative Auswirkungen der Bildung auf die Entwicklung von Life Skills und untermauern damit Skepsis gegenüber der Methodik.

Es gibt kaum empirische Belege für die (Kosten-) Wirksamkeit von konkreten Bildungsmaßnahmen.

Die unsichere Erkenntnislage lässt keine klare Politikempfehlung zugunsten von Curricula-Anpassungen zu.

Kernbotschaft des Autors

Vorläufige Erkenntnisse lassen vermuten, dass der Erwerb von Lebenskompetenzen im Bereich der Sekundärbildung verbessert werden kann. Doch die Forschung steht erst am Anfang. So ist unklar, welche nicht-kognitiven Fähigkeiten „formbar“ sind und sich deshalb eher für den Unterricht eignen. Das in Chicago durchgeführte Programm „Becoming a Man“, mit dem Denkmuster gefährdeter Jugendlicher durch kognitive Verhaltenstherapien verändert werden sollen, bietet ein Beispiel für kosteneffiziente Interventionen. Weitere Forschungsarbeiten sind notwendig, um die Wirkung von Bildung auf den Erwerb von Life Skills genauer zu ermitteln.

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