Transgender, Wohlbefinden und Arbeitsmarkt

Die Veränderung der geschlechtlichen Identität kann zu größerer Lebens- und Arbeitszufriedenheit führen, beeinträchtigt aber die gesellschaftliche Akzeptanz

Anglia Ruskin University, UK, and IZA, Germany

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Relevanz des Themas

Die Akzeptanz der eigenen Geschlechtsidentität und deren Übereinstimmung mit dem äußeren Erscheinungsbild sind meist mit einer erhöhten Lebens- und Arbeitszufriedenheit sowie geringeren psychischen Problemen verknüpft. Allerdings fühlen sich Transgender oft in ihrer authentischen Identität missachtet, sehen sich Menschenrechtsverletzungen oder gar Hassverbrechen ausgesetzt und leiden im Vergleich zur Mehrheitsgesellschaft unter größerer Arbeitslosigkeit und Armut. Voreingenommenheit im Umgang mit Transgendern könnte durch mehr Rechtssicherheit und ein integratives Arbeitsplatzumfeld abgebaut werden.

Veränderung von Lebens- und                        Arbeitszufriedenheit und psychischer Gesundheit nach Anpassung des Aussehens                        an die Geschlechtsidentität

Wichtige Resultate

Pro

Die Akzeptanz der eigenen Trans-Identität macht sich in Persönlichkeitsentwicklung und seelischer Stabilität bemerkbar.

Während und nach dem Wandel der Geschlechtsidentität sind Transgender psychisch gesünder und bekunden mehr Lebens- und Arbeitszufriedenheit als zuvor.

Ein unterstützendes Arbeitsumfeld erleichtert die Offenlegung einer Trans-Identität, steigert affektives Engagement und reduziert Arbeitsplatzängste.

Transgender-Beschäftigte sind nach dem Übergang weniger stark Mobbing und Belästigung ausgesetzt.

Der Wandel zu einer männlichen Geschlechtsidentität führt zu einem geringen Einkommenszuwachs.

Contra

Transgender sind einem hohen Gewaltrisiko ausgesetzt.

Transgender sind stärker von Armut, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit und geringerem Einkommen betroffen.

Über die Hälfte aller EU-Mitgliedstaaten sieht vor, dass Transgender zunächst eine operative Geschlechtsumwandlung vornehmen lassen müssen, bevor ihre veränderte Geschlechtsidentität offiziell anerkannt werden kann.

In den meisten US-Bundesstaaten ist eine Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund der Geschlechtsidentität nicht gesetzlich verboten.

Eine weibliche Identität anzunehmen, ist mit einem Einkommensverlust verbunden.

Kernbotschaft des Autors

Der Schritt zu einer anderen Geschlechtsidentität kann einerseits als ein befreiender Prozess die psychische Gesundheit wie auch die Lebens- und Arbeitszufriedenheit positiv beeinflussen. Andererseits leiden Transgender unter mangelnder gesellschaftlicher Akzeptanz und Ausgrenzung. Sie sollten ihre offizielle Geschlechtsidentität ändern können, auch ohne sich zuvor einer operativen Geschlechtsumwandlung zu unterziehen. Damit würden soziale und Beschäftigungsnachteile für diejenigen verringert, die zu einem solchen Schritt nicht bereit oder finanziell in der Lage sind. Ein Diskriminierungsverbot am Arbeitsplatz sollte auch für Transgender obligatorisch werden.

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