Wie lassen sich Fehlzeiten am Arbeitsplatz reduzieren?

Finanzielle Anreize und Änderungen der Arbeitsbedingungen sind der Schlüssel zum Erfolg

Utrecht University, the Netherlands, and IZA, Germany

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Relevanz des Themas

Tragen betriebliche Maßnahmen dazu bei, krankheitsbedingte Fehlzeiten zu reduzieren? Viele praktizierte Programme setzen darauf, die Abwesenheitsmeldung von Beschäftigten mit Lohneinbußen zu verbinden. Aber auch mit Leistungslöhnen, Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und einer Stärkung der Loyalität dem Unternehmen gegenüber lassen sich Fehlzeiten verringern. Langfristigen Fehlzeiten kann durch die Ermöglichung zeitweiser Abwesenheit aus Krankheitsgründen vorgebeugt werden. Können finanzielle Belastungen an die sozialen Sicherungssysteme verlagert werden, senkt dies die Bereitschaft der Unternehmen, solche Programme durchzuführen.

Krankheitsbedingte Fehlzeiten in ausgewählten OECD-Staaten

Wichtige Resultate

Pro

Krankheitsbedingte Fehlzeiten variieren zwischen den Unternehmen erheblich.

Beschäftigte reagieren auf negative Anreize wie niedrigere Krankengelder; positive Anreize wie Boni und Lotterien scheinen ebenfalls wirksam zu sein.

Fehlzeiten können durch (kostspielige) Verbesserungen der Arbeitsbedingungen reduziert werden.

Abgestufte Regelungen wie zeitweise Abwesenheit wirken sich effektiv auf die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit von Langzeitfehlenden aus.

Die Forschung findet nur begrenzte Hinweise darauf, dass Fehlzeiten und Betriebsloyalität zusammenhängen.

Contra

Fehlzeiten mit Entlassungen oder übermäßigen finanziellen Einbußen zu sanktionieren, ist nicht sinnvoll, da die Negativeffekte krank zur Arbeit erscheinender Mitarbeiter zu groß sind.

Managementprogramme für Multitasking-Beschäftigte steigern zwar die Mitarbeiterzufriedenheit, scheinen aber die kurzfristigen Fehlzeiten zu erhöhen.

Die Bereitschaft der Unternehmen, ihre eigenen Anreizsysteme einzuführen, hängt von der Großzügigkeit der sozialen Sicherungssysteme ab.

Kernbotschaft des Autors

Eine Verringerung von Krankheitsausfällen lässt sich von Unternehmensseite durch indirekte und direkte Maßnahmen anstreben. Negative und positive finanzielle Anreize wie Lohneinbußen, Boni und Lotterien können ebenso eine Verringerung von Fehlzeiten bewirken wie verbesserte Arbeitsbedingungen etwa durch Unterstützungsangebote bei der Bewältigung von Arbeitsherausforderungen. Klassifizierungsmodelle, die je nach Art und Schwere der Erkrankung eine zeitweise Präsenz am Arbeitsplatz vorsehen, können helfen, Langzeitfehlende zu reintegrieren. Der Nutzen solcher Programme hängt vom Grad der sozialen Sicherung, lokalen Arbeitsmarktbedingungen und Unternehmensspezifika ab.

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