Der Arbeitsmarkt in Norwegen, 2000-2016

Negative Folgen fallender Ölpreise wurden durch Reallohnflexibilität, geringere Zuwanderung und Arbeitsumverteilung ausgeglichen

Norwegian School of Economics, Norway, and IZA, Germany

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Relevanz des Themas

Norwegen weist eine sehr hohe Erwerbsquote bei niedriger Arbeitslosenrate auf. Dies geht auch auf den breiten Konsens zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und Regierung („Tripartismus“) zurück, der ein ein hohes Maß an Koordinierung bei Lohnverhandlungen gewährleistet. Die so ermöglichte Reallohnflexibilität auch nach unten hat die Auswirkungen negativer Schocks auf die Wirtschaft stark verringert. Zugleich hat eine rückläufige Nettozuwanderung, insbesondere aus den Nachbarländern, die Folgen des jüngsten Ölpreisverfalls gemildert. Allerdings kann der Tripartismus die Reduzierung von Fehlzeiten und Erwerbsunfähigkeit erschweren.

Entwicklung von Arbeitslosigkeit und
                        Reallöhnen

Wichtige Resultate

Pro

Die Beschäftigungsquoten sind für Männer und Frauen gleichermaßen hoch.

Die Reallohnflexibilität hat vor allem nach dem Rückgang der Ölpreise im Jahr 2014 zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beigetragen.

Die Arbeitslosigkeit ist – auch bei jungen Menschen – recht niedrig.

Bei Frauen geht der Trend weg von der Teilzeitarbeit.

Aufgrund starker Lohnkomprimierung ist die Lohnungleichheit eher gering und relativ stabil.

Contra

Hohe krankheitsbedingte Fehlzeiten und Ewerbsunfähigkeitsraten setzen den Sozialstaat unter Druck.

Die Gesamtbeschäftigungsquote ist (wohl aufgrund einer alternden Bevölkerung) tendenziell rückläufig.

Der Arbeitsmarkt ist in Bezug auf Sektor und Beruf stark geschlechtsspezifisch aufgeteilt.

Unter jungen Männern ist die Schulabbrecherquote gestiegen.

Kernbotschaft des Autors

Insgesamt schneidet der norwegische Arbeitsmarkt sehr gut ab. Zwar führte der starke Rückgang der Ölpreise im Jahr 2014 zu Arbeitsplatzverlusten in diesem Sektor, doch die erhöhte Nachfrage in anderen exportorientierten Branchen und die Reallohnflexibilität nach unten haben negative Beschäftigungseffekte deutlich gedämpft. Die Beschäftigungsquote von Frauen ist hoch, und der ausgebaute Sozialstaat erleichtert es Eltern erwerbstätig zu bleiben. Allerdings bestehen Herausforderungen in Form eines geschlechtsspezifisch separierten Arbeitsmarktes, der anhaltenden Lohnlücke von 15 Prozent zwischen Frauen und Männern sowie insbesondere in Form einer alternden Erwerbsbevölkerung und hohen Fehlzeiten aufgrund von Krankheit und Erwerbsunfähigkeit.

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