Welche Folgen hat die Ost-West-Migration für die mittel- und osteuropäischen EU-Staaten?

Auswanderung führt zu mehr Lohnwachstum und geringerer Arbeitslosigkeit, aber auch zu Fachkräftemangel

University of Modena and Reggio Emilia, Italy, and IZA, Germany

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Relevanz des Themas

Die Osterweiterung der Europäischen Union und die im Anschluss erheblich gewachsene Arbeitsmobilität zwischen Ost und West in Europa sind umfassend analysiert worden. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass sich als unmittelbare Folge der starken Auswanderung das Lohnniveau der im Land verbliebenen Beschäftigten erhöht hat und zugleich die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist. Allerdings machen sich inzwischen auch nachteilige Effekte in Form von „Mismatch" und zunehmendem Fachkräftemangel bemerkbar.

Emigration und Arbeitsmarkt in Litauen, Polen, Rumänien

Wichtige Resultate

Pro

Die Ost-West-Migration hat zunächst ein Überangebot an Arbeitskräften ausgeglichen und Arbeitslosigkeit reduziert.

Dies hat die Löhne der nicht ausgewanderten Beschäftigten stabilisiert und in knappen Märkten sogar steigen lassen.

Finanztransfers von Migranten haben die Wirtschaft der neuen EU-Staaten unterstützt.

Viele zurückkehrende Ost-West-Migranten bringen zusätzlich erworbenes Humankapital mit.

Vor allem in der Eurozone ist Arbeitsmigration ein wichtiger Anpassungsmechanismus.

Contra

Anhaltende Auswanderung führt zu Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt: Fachkräfte werden knapp (Brain Drain), vorhandene Qualifikationen und Jobanforderungen stimmen nicht mehr überein (Mismatch).

Auf diese Weise können langfristige demografische und Staatsbudgetprobleme sowie ein zusätzlicher Inflationsdruck entstehen.

Starke Wanderungsströme vergrößern das Risiko von Humankapitaleinbußen, wenn Auswanderer im Zielland nicht entsprechend ihrer Qualifikation beschäftigt werden können.

Kernbotschaft des Autors

Die Ost-West-Arbeitsmigration hat die Transformationsländer zunächst entlastet, Arbeitslosigkeit vermieden und das Lohnwachstum stimuliert. Allerdings zeichnen sich Probleme ab: Wächst die Arbeitsnachfrage aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung, kann sie wegen fehlender Fachkräfte uind Mismatch-Effekten je nach Branche bereits nicht mehr angemessen gedeckt werden. Bildungspolitik und aktive Arbeitsmarktpolitik können gegensteuern. Erforderlich sind aber auch Strategien, um die Erwerbsbeteiligung insgesamt zu steigern, Immmigration zu organisieren und Rückkehrmigration effizienter zu gestalten.

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