Überstundenregelungen und ihr Beschäftigungseffekt

Beschränkungen von bezahlter Mehrarbeit können die Beschäftigung verringern, statt sie auszuweiten

University of Arizona, USA, CEPS/INSTEAD, Luxembourg, PRESAGE, France, and IZA, Germany

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Relevanz des Themas

Die Regulierung von tariflicher Wochenarbeitszeit und Überstundenkonditionen schützt die Beschäftigten davor, mehr arbeiten zu müssen, als sie es selbst möchten. Einschränkungen von Überstunden können zugleich den Tarifstundenlohn bestimmter Arbeitnehmergruppen steigern und zu mehr Arbeitsteilung führen, die die Beschäftigung steigert und vor allem Frauen zusätzliche Jobchancen bietet. Allerdings sorgt dies für steigende Arbeitskosten und setzt ökonomische Mechanismen in Kraft, die sich auch zum Nachteil der Beschäftigung auswirken können. Die Reichweite der Regulierung zu erhöhen, hat kaum Einfluss auf den Anteil von mehrarbeitenden Beschäftigten oder die Zahl der Überstunden pro Arbeitnehmer.

Kürzere Wochenarbeitszeiten steigern
                        Anreize für Mehrfachbeschäftigung und untergraben die Arbeitsteilung

Wichtige Resultate

Pro

Regulierungen von Tarifarbeitszeit und Überstunden schützen Arbeitnehmer vor ungewünschter Mehrarbeit.

Verkürzungen der gesetzlichen Wochenarbeitszeit können potenziell die Beschäftigung erhöhen – insbesondere von Frauen.

Arbeitszeitverkürzungen können bei manchen Beschäftigten den Stundenlohn für einen vereinbarten Arbeitsumfang erhöhen.

Die Verkürzung der Arbeitszeit schafft mehr Spielraum für Heimarbeit und Freizeit.

Die Begrenzung von Überstunden kann eine betriebliche Reorganisation von Arbeitszeiten auslösen, die potenziell vor allem Frauen in Führungspositionen zugutekommt.

Contra

Die Beschränkung von Mehrarbeit verringert die Beschäftigung von qualifizierten und ungelernten Arbeitnehmern.

Überstunden werden meist von Höherqualifizierten geleistet, für die Arbeitslose und geringer Qualifizierte kein Ersatz sind.

Arbeitszeitverkürzungen führen zu mehr Nebenerwerb und Schwarzarbeit – damit verschlechtern sich die Chancen von Arbeitslosen.

Eine größere Reichweite von Regulierungen ist für die Zahl der Überstunden pro Kopf und den Anteil der Beschäftigten, die mehr arbeiten, kaum relevant.

Eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit erhöht die Arbeitskosten und kann die Gesamtbeschäftigung beeinträchtigen.

Kernbotschaft des Autors

Die Regulierung von Überstunden und ihrer Vergütung kann in vielen Fällen den Tarifstundenlohn erhöhen und die Beschäftigung durch mehr Arbeitsteilung fördern. Dieses Potenzial bleibt allerdings ungenutzt, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber ihr Verhalten der Regulierung anpassen. Gesetzliche Arbeitszeitverkürzungen lassen die Arbeitskosten steigen und können zur Verringerung der Gesamtbeschäftigung führen. Eine Zunahme der Beschäftigung aufgrund von Regulierungen der Mehrarbeit ist empirisch nicht nachzuweisen. Im Gegenteil können auch sie die Beschäftigung gefährden.

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