Aktive Arbeitsmarktpolitik und Kriminalität

Jugendkriminalität aufgrund von Arbeitslosigkeit kann durch aktive Arbeitsmarktpolitik reduziert werden

SFI—The Danish National Centre for Social Research, Denmark, and IZA, Germany

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Relevanz des Themas

Aktive Arbeitsmarktprogramme stehen in vielen wohlhabenden Staaten weiter hoch im Kurs, obwohl ihr unmittelbarer Nutzen in Relation zu den Kosten oft fragwürdig erscheint. Ein Grund ist wohl darin zu sehen, dass aktiver Arbeitsmarktpolitik eine breitere Wirkung über die Beschäftigung hinaus zugeschrieben wird – etwa im Hinblick auf die Kriminalitätsvorbeugung. Tatsächlich belegen neuere Studien einen dämpfenden Einfluss der Teilnahme an Arbeitsmarktprogrammen auf die Kriminalität unter arbeitslosen männlichen Jugendlichen. Auch dieser Umstand könnte erklären, warum ausgerechnet die Gesellschaften mit größerer Einkommensumverteilung und -gleichheit auch am meisten in aktive Arbeitsmarktpolitik investieren.

Staaten mit größerer Einkommensgleichheit
                        geben mehr für aktive Arbeitsmarktpolitik aus

Wichtige Resultate

Pro

Die Teilnahme an Programmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik verringert die Kriminalitätsneigung arbeitsloser junger Männer.

Die Programmteilnahme lässt weniger Zeit für andere Aktivitäten, einschließlich Kriminalität.

Die Effekte können nachhaltig wirksam sein, weil die Programmteilnahme offenbar die Lebensgewohnheiten der Teilnehmer verändert.

Dauerhafte Persönlichkeitsnarben durch Arbeitslosigkeit – auch in Form von Kriminalität – können durch eine kluge aktive Arbeitsmarktpolitik verringert werden.

Treten Arbeitslosigkeitsschocks ein, bilden Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik für betroffene Jugendliche die „zweitbeste“ Option.

Contra

Die Kosten aktiver Arbeitsmarktpolitik übersteigen den beabsichtigten Nutzen reduzierter Arbeitslosigkeit.

Unmittelbare Maßnahmen gegen Kriminalität dürften wirksamer sein als ihre indirekte Bekämpfung durch aktive Arbeitsmarktprogramme.

Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik, die die Kriminalprävention verbessern, büßen tendenziell an disziplinierender Wirkung ein (z.B. Jobannahme, um Programmteilnahme zu vermeiden).

Aktive Arbeitsmarktpolitik kann einen Lock-In-Effekt erzeugen, der die Wiederbeschäftigung verzögert.

Lässt die Programmteilnahme weniger Zeit für die Jobsuche, kann dies letztlich zu höherer Gleichgewichtsarbeitslosigkeit führen.

Kernbotschaft des Autors

Offenbar führt nicht nur der Einkommensverlust durch Arbeitslosigkeit, sondern auch die erzwungene Inaktivität zu einer erhöhten Kriminalitätsneigung. Arbeitslose junge Männer werden hingegen seltener straffällig, wenn sie in Programme der aktiven Arbeitsmarktpolitik integriert werden. Dieser Effekt hält auch außerhalb von Präsenzzeiten an (etwa an Wochenenden), beschränkt sich also nicht nur auf die rein zeitliche Kriminalitätsverhinderung. An zielgerichteten beschäftigungsfördernden Aktivitäten teilzunehmen, scheint sich positiv auf die Lebensweise arbeitsloser Jugendlicher auszuwirken.

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