Beschäftigung im Niedriglohnsektor

Ebnen Niedriglohnjobs Wege in besser bezahlte Beschäftigung, verfestigen sie sich oder ziehen sie wiederkehrende Arbeitslosigkeit nach sich?

Friedrich-Alexander University of Erlangen-Nuernberg, and IZA, Germany

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Relevanz des Themas

Die Beschäftigung im Niedriglohnsektor ist zu einem wichtigen Merkmal vieler Arbeitsmärkte und Gegenstand kontroverser Debatten geworden. Inwieweit dieses Beschäftigungssegment Arbeitnehmern oder der Gesellschaft Vorteile verschafft, ist derzeit noch eine offene Frage. Ihre Beantwortung hängt davon ab, ob Niedriglohnjobs nur vorübergehend ausgeübt werden, als Sprungbrett in besser bezahlte Arbeit dienen, sich verfestigen oder lediglich Perioden der Arbeitslosigkeit überbrücken. Dazu liegen unterschiedliche empirische Befunde vor – sie deuten sowohl auf Sprungbretteffekte wie auch auf langfristig nachteilige Wirkungen von Niedriglohnjobs hin.

Niedriglohn-Häufigkeit in ausgewählten
                        OECD-Staaten, 2013

Wichtige Resultate

Pro

Einen Niedriglohnjob auszuüben, ist besser, als arbeitslos zu sein.

Mit der Annahme eines gering entlohnten Jobs werden Vernarbungseffekte der Arbeitslosigkeit vermieden, die sich langfristig schädlich auswirken.

Niedriglohntätigkeiten können Wege zu hochwertigeren Jobs ebnen, indem sie arbeitsmarktbezogene Fertigkeiten aufwerten.

Niedriglohnjobs können insbesondere für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose Reintegrationschancen bieten.

Contra

Der Niedriglohnsektor kann für die dort Erwerbstätigen zur Falle werden.

Niedriglohnjobs werten das individuelle Humankapital meist nur begrenzt auf.

Niedriglohnphasen in einer Erwerbsbiografie können von potenziellen Arbeitgebern als Indikator geringer Produktivität gedeutet werden.

Die Annahme einer niedrig bezahlten Beschäftigung kann vor allem für qualifizierte Arbeitskräfte ein negatives Signal darstellen.

Niedriglohnbeschäftigung kann zu wiederholten Phasen der Arbeitslosigkeit und einem „Low-Pay-no-pay“-Zyklus führen.

Kernbotschaft des Autors

Ungeachtet geringer Aufwärtsmobilität können Niedriglohnjobs für manche Arbeitnehmergruppen ein Sprungbrett zu besser bezahlten Arbeitsplätzen bilden. Dieser Befund kann „Work first“-Strategien wohlfahrtsstaatlicher Reformen unterstützen. Allerdings ist Niedriglohnbeschäftigung kein selbstkorrigierendes System, sondern kann Narben hinterlassen. Um Aufstiegschancen zu vergrößern, ist ein ganzheitlicher Politikansatz notwendig: er sollte Strategien der aktiven Arbeitsmarktpolitik ebenso umfassen wie eine Philosophie des lebenslangen Lernens und die Unterstützung von Unternehmen, die stärker in die Qualifizierung ihrer Beschäftigten investieren und ihnen bessere Perspektiven außerhalb des Niedriglohnsegments verschaffen.

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