Lässt sich Kinderarbeit durch Geldleistungen verringern?

Gezielte Bargeldtransfers können Kinderarbeit reduzieren, wenn dabei berücksichtigt wird, aus welchen Gründen die Kinder arbeiten

University of Rome Tor Vergata, ICID, and Understanding Children’s Work, Italy, and IZA, Germany

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Relevanz des Themas

Bargeldtransfers sind ein gängiges und erfolgversprechendes Mittel, einkommensschwache Haushalte finanziell zu unterstützen und deren Humankapitalinvestitionen zu fördern, was auch zur Verringerung der Kinderarbeit beitragen kann. Im ungünstigsten Fall können Geldleistungen zur Bildungsförderung jedoch zu mehr Kinderarbeit führen, um etwa Schulgebühren finanzieren zu können. Zudem besteht die Gefahr, dass Geldtransfers in Produktionsmittel investiert werden, die Kinderarbeit noch lohnenswerter machen. Solche unerwünschten Nebenwirkungen müssen daher bei der Gestaltung des Sozialsystems berücksichtigt werden.

Geldtransfers reduzieren die Kinderarbeit in unterschiedlichem Maße

Wichtige Resultate

Pro

Geldleistungen versetzen einkommensschwache Haushalte in die Lage, in Humankapital zu investieren, vor allem in ärmeren Ländern mit schwachen Sozialsystemen.

Bargeldtransfers haben sich als Mittel bewährt, Kinderarbeit in besonders armen Haushalten zu verringern.

Flankierende Maßnahmen zur Kostensenkung und Qualitätssteigerung im Schul- und Gesundheitswesen können die Wirksamkeit von Geldleistungen zur Verringerung der Kinderarbeit erhöhen.

Contra

Wenn Geldtransfers in Produktionsmittel investiert werden, kann sich die Nachfrage nach Kinderarbeit in den geförderten Haushalten erhöhen.

Dienen Bargeldtransfers zur Ermöglichung des Schulbesuchs, könnte Kinderarbeit zunehmen, um zusätzliche Bildungskosten zu finanzieren.

Nur wenige Transferleistungen zielen primär auf die Verringerung von Kinderarbeit.

Meist geht die Kinderarbeit nicht im gleichen Maße zurück wie der Schulbesuch zunimmt.

Kernbotschaft des Autors

Zahlreiche Studien belegen, dass Geldleistungen Kinderarbeit in einkommensschwachen Haushalten verringern können. Die Effekte variieren jedoch stark je nach Ausgestaltung des Förderprogramms. Zudem können bildungsfördernde Bargeldtransfers zusätzliche Ausgaben für den Schulbesuch erfordern, die wiederum zu mehr Kinderarbeit führen. Gleiches gilt, wenn Transferleistungen in Produktionsmittel investiert werden, die den Ertrag von Kinderarbeit steigern. Durch flankierende Maßnahmen sollten daher die Kosten für Schulbuch und Gesundheitsversorgung gesenkt sowie deren Qualität verbessert werden.

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